Neue Netze für neue Energien

Die Übertragungsnetzbetreiber

Die Übertragungsnetzbetreiber – Verantwortung für Systemstabilität und Modernisierung

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben einen gesellschaftlichen Auftrag. Er ist in § 11 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verankert und lautet, ein „sicheres, zuverlässiges und leistungsfähiges Energieversorgungsnetz diskriminierungsfrei zu betreiben, zu warten und bedarfsgerecht zu optimieren, zu verstärken und auszubauen.“

Die ÜNB sind damit verantwortlich für die Sicherheit und Stabilität des deutschen Energieversorgungssystems. Das heißt, sie müssen den überregionalen Stromaustausch über ihre Leitungen störungsfrei gewährleisten und dafür sorgen, dass sich Erzeugung und Verbrauch zu jeder Zeit im Gleichgewicht befinden. Insbesondere angesichts der im Jahre 2011 beschlossenen Energiewende stehen die Höchstspannungsnetze vor großen Herausforderungen, denn die Energiewende verändert die Energieinfrastruktur nachhaltig. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wachsen auch die Anforderungen an die Höchstspannungsnetze. So übersteigt schon heute der Strom aus Windenergieanlagen die Netzkapazitäten in einigen Regionen Deutschlands. Die deutsche Energieinfrastruktur mit zeitgemäßen, effizienten und umweltschonenden Übertragungstechnologien zukunftsfähig zu machen, wird daher in den nächsten Jahrzehnten die zentrale Aufgabe der Übertragungsnetzbetreiber sein.

© 50Hertz

 

Portraits

Verantwortlich für die überregionale Versorgung und Übertragung im Höchstspannungsbereich sind in Deutschland die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, TenneT TSO und TransnetBW.

50Hertz Transmission

Mehr als 40 Prozent der installierten deutschen Windenergieleistung kommen aus dem Netzgebiet von 50Hertz. Somit ist das Unternehmen nicht nur verantwortlich für die Stromversorgung von 18 Millionen Menschen, sondern auch für eine der größten Stromexportregionen Europas und ist Integrationsweltmeister für Strom aus erneuerbaren Energien.

Bei 50Hertz sind von acht Standorten aus rund 800 Mitarbeiter damit beschäftigt, für eine konstante Stromversorgung in ihren Regionen zu sorgen. Das Netzgebiet von 50Hertz erstreckt sich mit 109.360 km² über Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Vom Transmission Control Centre in Neuenhagen bei Berlin aus wird das 9.980 km lange Netz gesteuert und überwacht. Der Unternehmenssitz ist in Berlin. 50Hertz ist verantwortlich für den Netzanschluss der deutschen Windparks in der Ostsee. Der erste kommerzielle Offshore-Windpark in der Ostsee, EnBW Baltic 1, ist seit Mai 2011 offiziell in Betrieb.

Anteilseigner von 50Hertz sind der belgische Übertragungsnetzbetreiber Elia und der australische Infrastrukturfonds IFM Investors. 50Hertz ist Teil der internationalen Elia-Gruppe.

Amprion

In sieben Bundesländern - von Niedersachsen bis zum Saarland und weiter bis an die Grenze zu Österreich und der Schweiz: Mit rund 11.000 km betreibt Amprion vom Unternehmenssitz in Dortmund aus das längste Höchstspannungsnetz Deutschlands. In einem Netzgebiet von 73.100 km² versorgt Amprion 27 Millionen Einwohner mit Energie - rund um die Uhr Fast 1000 Mitarbeiter setzen sich an zahlreichen Standorten dafür ein, eine stabile, sichere und wirtschaftlich gerechte Stromversorgung zu gewährleisten.

Bis 2025 wird Amprion fast 10 Milliarden Euro in sein Übertragungsnetz investierten. Hauptanteilseigner sind deutsche Finanzinvestoren aus der Versicherungswirtschaft und Pensionskassen. Einen Minderheitsanteil hält die RWE AG.

Amprion befindet sich durch seine zentrale Lage in einer wichtigen Position auf dem Strommarkt. Über die Grenzen des eigenen Netzgebiets hinaus spielt Amprion eine bedeutende Rolle: Von den Unternehmensstandorten in Dortmund und Brauweiler bei Köln aus erfüllt das Unternehmen wichtige Funktionen in der Koordination der vier deutschen Regelzonen sowie im Bereich des internationalen Stromtransports. Amprion unterhält Kuppelleitungen zu neun ausländischen Übertragungsnetzbetreibern und kann damit die Wünsche europäischer Stromhändler mit höchster Transportsicherheit erfüllen. Diese Kapazitäten werden in den kommenden Jahren weiter wachsen.

TenneT TSO

Von der dänischen Grenze bis zu den Alpen: Auf 140.000 km², rund 40 % Prozent der Fläche Deutschlands, verlassen sich mehr als 20 Millionen Einwohner auf die Stromversorgung durch die TenneT TSO GmbH. Der TenneT-Konzern führt das Wissen und die Innovationskraft aus zwei Nationen zusammen: Seit Oktober 2010 ist die TenneT TSO GmbH die deutsche Tochter des niederländischen Übertragungsnetzbetreibers TenneT. Als erster grenzüberschreitender Übertragungsnetzbetreiber Europas verbindet der Konzern die Stromleitungen zwischen Deutschland und den Niederlanden und bemüht sich in der internationalen Zusammenarbeit um Know-how-Transfer - insbesondere im Offshore-Bereich.

10.700 km Höchstspannungsnetz werden von der TenneT TSO und ihren mehr als 1.000 Mitarbeitern betrieben, gewartet und weiterentwickelt. Das Netzgebiet erstreckt sich von Schleswig-Holstein, durch Niedersachsen und Hessen bis nach Bayern. Die Unternehmensleitung agiert von Bayreuth aus, weitere Betriebszentren befinden sich in Lehrte bei Hannover und in Bamberg. Die Überwachung der Stromnetze geschieht in den Schaltleitungen, die in Lehrte und Dachau, nahe München, angesiedelt sind. Hier werden Lastfluss- und Netzsicherheitsrechnungen sowie Strombedarfsprognosen erstellt. Diese sind die Grundlage für den sicheren Stromtransport quer durch Deutschland und eine stabile Netzfrequenz.

Die TenneT Offshore GmbH, ein Schwesterunternehmen, befasst sich mit allen Belangen der Anschlussleitungen auf See, während die TenneT TSO die Übertragung auf dem Land sichert.

TransnetBW

Rund 340 Mitarbeiter der TransnetBW GmbH behalten jeden Tag mehr als 3.200 km Höchstspannungsnetz auf über 34.600 km² im Blick. Die TransnetBW GmbH betreibt das Übertragungsnetz in Baden-Württemberg, das über zahlreiche Kuppelstellen in das nationale und europäische Verbundnetz integriert ist. An den Regelzonengrenzen ist es direkt mit den Netzen innerhalb Deutschlands sowie mit Frankreich, Österreich und der Schweiz verbunden.

Sitz der Unternehmenszentrale ist Stuttgart. Das eigentliche Herzstück des Unternehmens aber liegt in Wendlingen, nahe Stuttgart. Die Hauptschaltleitung der TransnetBW ist eine der modernsten Europas. Von dort realisiert das Unternehmen auch den bundesweiten Belastungsausgleich für die aus Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen gewonnene Strommenge.

Die als Independent Transmission Operator geführte GmbH ist ein Unternehmen der EnBW Energie Baden-Württemberg AG.