Neue Netze für neue Energien

Wie funktioniert die Erstellung des Netzentwicklungsplans?

Einen Überblick über den Prozess und die Beteiligten gibt Ihnen unser Film.

 

Nach dem Reaktorunglück in Fukushima im März 2011 beschlossen Bundestag und Bun­desrat den schnellen Aus­stieg aus der Kernenergie und den beschleunigten Ausbau erneu­erbarer Energien. Dies stellt die Stromnetze in Deutschland vor neue Herausforderungen, denn die be­stehenden Stromleitungen rei­chen dafür nicht mehr aus. Die vier Über­tragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben daher die Aufgabe, ab 2012 jährlich einen Netzentwicklungsplan Strom (NEP) zu erarbeiten. Darin wird beschrieben, in welchem Umfang die Übertragungsnetze in den nächsten zehn beziehungsweise 20 Jahren ausgebaut werden müssen. Der Netzentwicklungsplan enthält alle Maßnahmen im deutschen Höchstspannungsnetz, die erforderlich sind, um den steigenden Anteil an erneuerbaren Energien in der Zukunft zu transportieren und gleichzeitig weiterhin Systemsicherheit und Netzstabilität zu gewährleisten.

Offshore-Netzentwicklungsplan

Für die Anbindung von Windparks in der Ost- und Nordsee an das deutsche Stromnetz wurde 2013 zum ersten Mal ein gemeinsamer Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP) durch die vier Übertragungsnetzbetreiber erstellt. Er legt den Umsetzungszeitpunkt sowie Ort und Größe von Anbindungsleitungen der Offshore-Windparks fest. Der Offshore-Netzentwicklungsplan basiert auf der Bundesfachplanung, die durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erstellt wurde. Er durchläuft dieselben Prozessschritte wie der NEP.

Die Grundlagen für die Erstellung des Netzentwicklungsplans sind im Energiewirtschaftsgesetz festgelegt. Durch einen mehrstufigen Prozess wird sichergestellt, dass auch die Öffentlichkeit, zum Beispiel Verbände, Politik, Nichtregierungsorganisationen, nachgelagerte Netzbetreiber und Stadtwerke, Bürgerinitiativen und Privatpersonen sowie die verantwortliche Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur aktiv beteiligt werden.

Der Erstellungsprozess des Netzentwicklungsplans gliedert sich in acht Schritte:

1. Der Szenariorahmen

Am Anfang erstellen die Übertragungsnetzbetreiber einen Szenariorahmen. Er führt aus, welche Veränderungen bei Erzeugung und Verbrauch von Energie in den nächsten zehn bzw. 20 Jahren zu erwarten sind. Der Szenariorahmen beschreibt also, aus welchen Energiequellen die Energie erzeugt und wie viel Energie voraussichtlich verbraucht wird. Er bildet die Grundlage für die Arbeit am Netzentwicklungsplan.

2. Konsultation des Szenariorahmens

Die Übertragungsnetzbetreiber legen den Entwurf des Szenariorahmens der Bundesnetzagentur vor. Nun beginnt die erste von drei Konsultationen: Die Öffentlichkeit und nachgelagerte Netzbetreiber können Stellungnahmen zu den Szenarien einbringen. Für diese Konsultation ist die Bundesnetzagentur verantwortlich. Anschließend genehmigt sie den Szenariorahmen unter Berücksichtigung der Konsultationsergebnisse.

3. Der erste Entwurf des Netzentwicklungsplans

Auf der Grundlage des genehmigten Szenariorahmens erstellen die Übertragungsnetzbetreiber nun den Netzentwicklungsplan. Ausgangspunkt für die Berechnungen und Planungen ist das Startnetz. Es bildet den Status quo des deutschen Stromnetzes ab und beinhaltet außerdem Leitungen, die bereits im Bau oder genehmigt sind. Ergebnis des Netzentwicklungsplans ist die Maßnahmenplanung: Sie beschreibt Lösungsvorschläge, wie das Netz angepasst werden muss, um den zukünftigen Strom transportieren zu können und weiterhin ein stabiles Netz zu gewährleisten. Damit wir als Verbraucher auch weiterhin zu jeder Tages- und Nachtzeit die Menge an Strom haben, die wir auch brauchen. Die Lösungsvorschläge zeigen ganz konkret auf, an welchen Stellen das Netz optimiert, verstärkt oder erweitert werden muss.

4. Konsultation des ersten NEP-Entwurfs

Nun übergeben die Übertragungsnetzbetreiber den ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans ihrer Aufsichtsbehörde, der Bundesnetzagentur, zur Prüfung und veröffentlichen ihn auf www.netzentwicklungsplan.de. Gleichzeitig beginnt die öffentliche Konsultation dieses Entwurfs. Ob Bürger, Umweltverband oder Unternehmen: Im Konsultationsprozess des NEP haben alle Gelegenheit, dazu Stellung zu beziehen. Die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit am Dialog zum Netzausbau soll zur Weiterentwicklung und Optimierung des Netzentwicklungsplans beitragen. Außerdem sollen so ein besseres Verständnis und größtmögliche Akzeptanz des Netzausbaus erreicht werden. Für diese Konsultation sind die Übertragungsnetzbetreiber zuständig.

5. Überarbeitung des ersten NEP-Entwurfs

Nach Abschluss der Konsultation wird der erste Entwurf auf Basis der abgegebenen Stellungnahmen von den Übertragungsnetzbetreibern überarbeitet. Ergebnis ist der zweite Entwurf, der erneut an die Bundesnetzagentur zur Prüfung übergeben und online veröffentlicht wird. Der zweite Entwurf dokumentiert, welche Anmerkungen aus den Stellungnahmen in die Überarbeitung eingeflossen sind.

6. Überprüfung des zweiten NEP-Entwurfs

Die Bundesnetzagentur überprüft nun den zweiten Entwurf. Sie kann von den Übertragungsnetzbetreibern Änderungen verlangen. Zeitgleich erstellt die Bundesnetzagentur eine strategische Umweltprüfung für die im Netzentwicklungsplan vorgeschlagenen Maßnahmen und fasst diese in einem Umweltbericht zusammen.

7. Konsultation des finalen NEP-Entwurfs

Die Öffentlichkeit kann zu dem finalen Entwurf sowie dem Umweltbericht erneut im Rahmen eines dritten und letzten Konsultationsverfahrens Stellung beziehen. Diese Konsultation wird wieder von der Bundesnetzagentur durchgeführt.

8. Bestätigung des Netzentwicklungsplans durch die Bundesnetzagentur

Anschließend bestätigt die Bundesnetzagentur unter Berücksichtigung der öffentlichen Stellungnahmen den Netzentwicklungsplan. Dieser geht als Entwurf eines Bundesbedarfsplans an die Bundesregierung, die ihn an den Bundesgesetzgeber übergibt. Der Bundesgesetzgeber beschließt dann den Bundesbedarfsplan. Damit sind die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf der enthaltenen Maßnahmen verbindlich festgestellt.