06.03.19 - 15:57|Ruth Z.|NEP
Stellungnahme zur Konsultation zum Netzentwicklungsplan 2030 (2019), 1. Entwurf


Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen den oben genannten Entwurf nehmen wir wie folgt Stellung bzw. tragen wir unsere nachfolgend genannten Einwendungen vor:

Der Netzentwicklungsplan hat u.a. zum Ziel die Stromtrasse Emden/Niedersachsen und Phillipsburg/Baden-Württemberg sowie den derzeitigen Konverterstandort Meerbusch-Osterath, festzulegen.

I. Stromstrasse Emden/Phillipsburg (Ultranet)

1. Die angedachte Stromtrasse berücksichtigt nicht die Belange der Bevölkerung, die an der Stromtrasse wohnen. Bereits jetzt ist bekannt, dass die Stromtrasse entgegen der bisherigen Ankündigung nicht vollständig, unterirdisch gelegt wird, vgl. Trassenführung in Recklinghausen. Teilweise soll somit eine Weiterführung des Stroms über Strommasten erfolgen. Dies widerspricht dem Gleichheits- und Gleichbehandlungsgrundsatz, da die Südtrasse aufgrund der Einwendungen des Landes Bayern vollständig unterirdisch gelegt wird. Die geplante oben genannte Stromtrasse steht somit mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland nicht im Einklang.

2. Die geplante Stromtrasse soll nicht in bevölkerungsarmen Gebieten gebaut werden, sondern teilweise in Ballungsgebieten. Bereits jetzt ist bekannt, dass es voraussichtlich aufgrund von Lärm- und Strahlenbelastung zu Erkrankungen bei den Bürgern kommen wird, die Zahl der Krebserkrankungsfälle wird voraussichtlich drastisch ansteigen (Elektrosmog). Meerbusch-Osterath gehört zu einem Ballungsgebiet in dem ca. 1,2 Million Menschen leben.

3. Der Verlauf der Stromtrasse zeigt, dass kein ökonomischer Ansatz gewählt worden ist. Statt einer gradlinigen Streckenführung, sind nicht nach vollziehbare Abzweigungen festzustellen, die dazu führen, dass es zu einer Kostensteigerung des Projektes kommt. Der Bundesrepublik Deutschland entsteht hierdurch ein Vermögensschaden. Als alternative Streckenführung schlagen wir deshalb vor, die Stromtrasse von Emden an der niederländischen Grenze, der A 61 folgend und an bevölkerungsarmen Gebieten in Rheinland-Pfalz nach Philippsburg/Baden-Württemberg vorbei zu führen.

II. Doppelkonverter in Meerbusch-Osterath

1. Nach dem neuesten Vorschlag von Amprion (RWE) soll der Doppelkonverter, das vorgesehene Baugebiet liegt ca. 200 m von zwei Wohngebieten entfernt und sozusagen mitten in unserem Wohnort. Grund hierfür ist die bestehende Umspannanlage, die Amprion im Hinblick auf den Bau des Konverters still schweigend, schleichend erweitert hat.

2. Der Doppelkonverter ist für die Bevölkerung von Meerbusch-Osterath, ca. 15000 Einwohner, eine Horrorvorstellung, da der Doppelkonverter 16 Fußballfelder lang und ca. 20m hoch werden soll. Kein geringfügiges Bauvorhaben. Und das mitten im Dorf. In Europa gibt es bisher keinen vergleichbaren Konverter, mit dem Doppelkonverter würde somit Neuland betreten. Es liegen keine Erfahrungen hinsichtlich von Grenzwerten z.B. Grenzwerten wegen Lärmbelästigungen und Strahlenschutz vor. Meerbusch-Osterath ist bereits seit Jahren durch die Autobahnen, A 52, A 44 und vor allem der A57 sowie der Bundesbahnstrecke Ruhrgebiet/Kleve, Richtung Düsseldorf/Köln, Fluglärm, der dritt größte deutsche Flughafen Düsseldorf/Rhein-Ruhr, liegt ca. 15 Autominuten-Minuten entfernt, Meerbusch-Osterath gehört zur Einflugschneise des Flughafens und würde durch den Bau des Konverters weiterer extremer Lärmbelästigung ausgesetzt. Die heile Welt, wie von Amprion dargestellt, liegt somit, nicht vor. Die Folgen des Baus des Konverters würde bei einer Vielzahl von Menschen Erkrankungen wegen Lärm und Strahlen nach sich ziehen.

3. Der Bau des Konverters verschandelt darüber hinaus die Umwelt. Folge wird eine drastische Immobilienentwertung rund um Meerbusch-Osterath sein.

4. Mit ein Grund für den Bau des Doppelkonverters in unserem Ort ist das Einfließen des Braunkohlestroms aus den rheinischen Braunkohlengebieten, ca. 20 km von unserem Wohnort entfernt. Da jedoch vor kurzem der Ausstieg aus dem Abbau der Braunkohle beschlossen worden ist, macht der Bau des Doppelkonverters in unserem Wohnort, Meerbusch-Osterath keinen Sinn mehr. Standorte innerhalb des Braunkohlegebietes, z. B. Grevenbroich-Friemersdorf, sind ohnehin ausreichend vorhanden. Oder die Umspannanlage an der A 61 auf der Höhe der Autobahnausfahrt Niederaussem/Raststätte Bedburger Land, mit direktem Blick in die Braunkohlengruben und dazu noch in einem Windpark gelegen. Absolut bevölkerungslos. Besser geht es nicht. In unseren Augen ein idealer Standort. Bei einer Informationsveranstaltung in Meerbusch-Osterath wurde von den Amprion-Vertretern dieser Standort durchaus anerkannt, aber mit dem Hinweis versehen, dass die entsprechende Stromzuleitung fehlt.

Besonders ist bei zuvor genanntem Standort zu berücksichtigen, dass aufgrund des geänderten Braunkohleabbaus, dieser Standort bisher nicht in Planungen aufgenommen
worden ist. Aber jetzt besteht eine andere Planungsgrundlage. Die Kosten für die bisher fehlende Stromzuleitung dürften überschaubar sein. Die bisher in Meerbusch-Osterath verbauten Elemente der Umspannanlage könnten an letztgenanntem Standort verwendet werden.

5. Durch den Konverter wird Wechselstrom in Gleichstrom mit der Begründung umgewandelt, damit der Energieverlust auf Strecke von Meerbusch-Osterath bis nach Phillipsburg nicht zu hoch ist. Wenn dies so ist, fragen wir uns, warum wird der Konverter

nicht direkt in Emden aufgestellt. Hierdurch würde sich doch ein viel größerer Energieverlust vermeiden lassen.

Bitte verstehen Sie uns nicht falsch, wir stehen der Energiewende nicht entgegen, aber der Trassen-und Konverterbau müssen umweltverträglich und den berechtigten Anliegen der Bevölkerung entsprechend gebaut werden.

Die derzeitige Situation ist auf eine kurze Formel zu bringen. Vernunft gegen Ökonomie. Man braucht jedenfalls sehr viel Phantasie, sich für Meerbusch-Osterath, als Standort für den Doppelkonverter auszusprechen. Jeder der, der Vernunft den Vorzug gibt, wird sich für eine anderen Standort als Meerbusch-Osterath entscheiden.

1. März 2019

Mit freundlichen Grüßen

Ruth Z.