Szenariorahmen zum NEP 2035 (2021)

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) haben am 10. Januar 2020 den Szenariorahmenentwurf zum Netzentwicklungsplan (NEP) 2035, Version 2021, an die Bundesnetzagentur (BNetzA) übergeben. Diese hat den Szenariorahmenentwurf am 17. Januar veröffentlicht und zur öffentlichen Konsultation gestellt. Am 26. Juni 2020 hat die BNetzA den Szenariorahmen für den kommenden Netzentwicklungsplan 2035 (2021) genehmigt und veröffentlicht. Der von der BNetzA genehmigte Szenariorahmen und die darin fixierten Annahmen zu möglichen Entwicklungen von Stromerzeugung und -verbrauch sind die verbindliche Grundlage der Markt- und Netzberechnungen der ÜNB für den Netzentwicklungsplan 2035 (2021). Die Genehmigung durch die BNetzA bildet damit die Grundlage zur Ermittlung des Netzausbaubedarfs bis 2035.

Im genehmigten Szenariorahmen zum NEP 2035 (2021) werden ausgehend vom Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 Annahmen zur Energielandschaft in den Jahren 2035 und 2040 getroffen: Drei Szenarien blicken auf das Jahr 2035. Darüber hinaus wird ein Szenariopfad fortgeschrieben, um eine mögliche Entwicklung bis 2040 abzubilden.

In allen Szenarien wird ein, im Vergleich zu heute, steigender Stromverbrauch angenommen. Dieser ergibt sich unter anderem aus der zunehmenden Elektrifizierung im Wärme- und Verkehrssektor und aus der zunehmenden Nutzung von Power-to-X-Technologien. Auch Dekarbonisierungsmaßnahmen im Industriesektor sowie der durch die Digitalisierung bedingte Mehrbedarf an IT-Rechenleistungen tragen dazu bei.

Bei der Energieerzeugung werden in allen Szenarien sowohl der Kernenergieausstieg bis Ende 2022 als auch der Kohleausstieg bis spätestens 2038 berücksichtigt. Zwei Szenarien sehen bereits für das Jahr 2035 einen abgeschlossenen Kohleausstieg vor. Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet weiter voran und die installierte Leistung steigt von 124,2 GW in 2018, je nach Szenario und Zeithorizont, auf zwischen 233,4 GW und 269,7 GW an. Wie auch die Bundesnetzagentur betont, müsste sich der Ausbau der erneuerbaren Energien im Vergleich zu heute erheblich beschleunigen, um diese Werte zu erreichen.

Die Szenarien unterscheiden sich in zwei Dimensionen: Die Netzorientierung beschreibt die zukünftige regionale Verteilung von Stromerzeugern und -verbrauchern sowie die Betriebsweise von Anlagen. Sektorenkopplung/Elektrifizierung beschreibt die Vernetzung der Sektoren der Energiewirtschaft und Industrie und deren Einsatzverhalten. Die anhand dieser Dimensionen von den ÜNB vorgenommene Szenarienausgestaltung wird von der BNetzA in der Genehmigung gebilligt.

Szenario A beschreibt eine Transformation des Stromsektors, in der die Sektorenkopplung und das stromnetzorientierte Einsatzverhalten von Erzeugern und Verbrauchern niedrig ausgeprägt sind. Ein Beispiel hierfür ist der berücksichtigte Anteil der lastmanagementfähigen Elektrofahrzeuge für das verschiebbare Laden. Der in Szenario A 2035 angenommen Anteil an Fahrzeugen, die flexibel geladen werden, beträgt lediglich 50 Prozent.

Der Ausbaupfad der erneuerbaren Energien ist im Vergleich zu den anderen Szenarien am geringsten. Der Kohleausstieg wird im Jahr 2035 als noch nicht vollständig abgeschlossen angenommen, sodass dieses Szenario noch 7,8 GW installierte Leistung aus Kohlekraftwerken ausweist.

Szenario B beschreibt eine Transformation des Stromsektors, in der die Sektorenkopplung und das stromnetzorientierte Einsatzverhalten von Erzeugern und Verbrauchern eine größere Rolle spielen. Mit Blick auf Fahrzeuge, die flexibel geladen werden können, wird hier zum Beispiel ein Anteil von 75 Prozent angenommen, in B 2040 wird von einem Anteil von 90 Prozent ausgegangen. Die höhere Netzorientierung ergibt sich auch aus den Annahmen zur Regionalisierung von Onshore-Windenergieanlagen, wo neben Flächenpotenzialen auch die politischen Ausbauziele der Bundesländer berücksichtigt werden. Dadurch kommt es im Vergleich zum A-Szenario zu einer breiteren Verteilung der Anlagen über Deutschland. Der Einsatz von Elektroautos und Wärmepumpen erfolgt zu einem großen Anteil verteilnetzorientiert.

Der Ausbaupfad der erneuerbaren Energien liegt zwischen den Szenarien A und C. So wird ein mittlerer Bruttostromverbrauch in Kombination mit einem mittleren Anteil der erneuerbaren Energien angenommen. Der Kohleausstieg wird im Szenario B als bis 2035 vollzogen angenommen.

Szenario C beschreibt eine stetig voranschreitende Transformation des Stromsektors, in der die Sektorenkopplung und das stromnetzorientierte Einsatzverhalten von Erzeugern und Verbrauchern eine entscheidende Rolle spielen. Für das Szenario wird beispielsweise angenommen, dass es durch die bestehende Infrastruktur möglich ist, alle Fahrzeuge flexibel zu laden. Die am stärksten ausgeprägte Sektorenkopplung ergibt sich aus der Annahme, dass der Energiemarkt mit Anwendungen der Sektorenkopplung durchdrungen ist und sich das Maß der technologischen Innovation am oberen Rand der wahrscheinlichen Entwicklung befindet.

Der Ausbaupfad der erneuerbaren Energien bewegt sich im Vergleich zu den anderen Szenarien am oberen Ende der zu erwartenden Entwicklung. So wird ein hoher Bruttostromverbrauch in Kombination mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien angenommen. Wie in Szenario B wird auch im Szenario C davon ausgegangen, dass der Kohleausstieg bereits im Jahr 2035 abgeschlossen ist.