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Nationalparkstadt Waldeck


Stellungnahme der Nationalparkstadt Waldeck zum 1. Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 (Version 2025)

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Nationalparkstadt Waldeck dankt für die Gelegenheit, zum vorliegenden Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) Stellung zu nehmen. Nach eingehender Prüfung des Dokuments sowie der zugehörigen Projektsteckbriefe sehen wir Bedarf an Nachbesserungen. Unsere wichtigsten Anmerkungen und Forderungen sind folgend aufgeführt.

1. Regionale Mehrbelastungen ohne nachvollziehbaren Mehrwert

Im Raum Waldeck konzentrieren sich bereits mehrere 380-kV-Leitungen. Durch die geplante Schaltanlage mit vier Phasenschiebertransformatoren (Maßnahme M532) und weitere Vorhaben würde die Belastung für Bevölkerung, Landschaft und kommunale Flächen nochmals steigen. Ein klarer Nutzen für unsere Region – etwa in Form verbesserter Versorgungssicherheit, reduzierter Netzentgelte oder zusätzlicher Wertschöpfung – wird im Entwurf jedoch nicht belegt. Wir erwarten eine transparente Nutzen-Kosten-Abwägung, die sich ausdrücklich auf die Situation vor Ort bezieht.

2. Auswirkungen auf Tourismus und Landschaftsbild

Waldeck lebt von seiner Lage im Nationalpark und von einem hochwertigen Tourismusangebot. Neue Freileitungen und großdimensionierte Anlagen gefährden das Landschaftsbild und damit Arbeitsplätze in Hotellerie, Gastronomie und Freizeitwirtschaft. Wir fordern eine detaillierte Bewertung dieser Auswirkungen sowie ein Maßnahmenpaket zur Vermeidung, Minderung oder Kompensation – einschließlich der ernsthaften Prüfung von Teilverkabelungen, landschaftsangepasstem Design und Gestaltungsschutz für sensible Bereiche.

3. Kumulative Belastungen durch parallele Infrastrukturprojekte

Neben dem Stromnetzausbau stehen weitere große Vorhaben (Verkehr, Digitalisierung, Energie) an. Deren zeitliche und räumliche Häufung droht die Lebensqualität in unserer Region zu beeinträchtigen. Wir bitten um eine integrierte Betrachtung kumulativer Umweltauswirkungen und um abgestimmte Bauablaufpläne, die Mehrfachbelastungen vermeiden.

4. Transparente Alternativen-Prüfung

Im Entwurf wird auf eine Alternativen-Prüfung verwiesen, ohne jedoch konkrete Standortalternativen oder abweichende Trassenführungen zu erläutern. Wir ersuchen um Offenlegung der geprüften Varianten, ihrer Bewertungskriterien und der Gründe für die jetzige Vorzugslösung. Zudem regen wir an, systematisch auch dezentrale Flexibilitätsoptionen (z. B. Speicher, steuerbare Lasten) als Ergänzung oder Ersatz für Leitungsausbau zu bewerten.

5. Beteiligungsprozess und Fristen

Die laufende Konsultationsfrist fällt in eine Zeit, in der viele Kommunen, Verbände und Bürgerinnen und Bürger erschwert erreichbar sind. Um eine substanzielle Beteiligung zu ermöglichen, beantragen wir eine Verlängerung der Frist um mindestens vier Wochen. Zusätzlich bitten wir um Informationsveranstaltungen vor Ort sowie um einen kontinuierlichen Dialog während der weiteren Planungsschritte.

6. Forderungen zur Stärkung des ländlichen Raums

Wir erwarten ein verbindliches Paket aus Ausgleichs-, Ersatz- und Strukturfördermaßnahmen, das den Belastungen angemessen gegenübersteht.
• Renaturierungen und ökologische Aufwertungen,
• Förderung regionaler Energie- und Beteiligungsmodelle,
• Verbesserungen bei Breitband, Mobilfunk, Rad- und Wanderwegen,
• Unterstützung lokaler Tourismus- und Kulturprojekte.

Zusammenfassend bitten wir um eine fundierte Darstellung des regionalen Nutzens, eine vollständige Alternativen- und Umweltprüfung, konkrete Maßnahmen zur Wahrung von Landschaft, Tourismus und Lebensqualität, eine Verlängerung der Konsultationsfrist sowie fortlaufende Beteiligung unserer Stadt.

Wir bitten um schriftliche Bestätigung des Eingangs dieser Stellungnahme und um Information, wie unsere Anregungen im weiteren Verfahren berücksichtigt werden. Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass die georeferenzierte Darstellung im Steckbrief nicht eindeutig ist, bzw. unserem Kenntnisstand dem Grundsatz her widerspricht. Um Missverständnisse zu vermeiden bitte ich hier um eine Überprüfung und Rückmeldung zu diesem Sachverhalt.

Mit freundlichen Grüßen

Nicolas Havel
Bürgermeister