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Stellungnahme des Bürgervereins Linderhausen e.V. im Konsultationsverfahren zum ersten Entwurf des NEP 2037/2045. Version 2025 spezifisch zum Projekt P 403, BBP-Nr. 64 (Netzverstärkung Hattingen – Bezirk Ronsdorf, Wuppertal)

Das Projekt P 403 beinhaltet, dass in Schwelm-Linderhausen eine große Umspannanlage gebaut werden soll. Entstehen soll die einige Hektar beanspruchende Umspannanlage in Korthausen an der Gevelsberger Straße. Ob in 10 Jahren weitere Ausbaustufen folgen und der Flächenverbrauch damit noch größer werden wird, ist derzeit nach Angabe von Amprion-Vertretern (Oktober 2024) ungewiss.

Die Umspannanlage in Linderhausen ist Teil des Netzausbaus bzw. der Netzverstärkung zwischen den Umspannanlagen Hattingen und Wuppertal-Linde.

Dieses Projekt stellt aus unserer Sicht einen unnötigen, überdimensionierten und zu kostspieligen Eingriff in die Natur, das Stadt- und Landschaftsbild sowie das Leben in der Stadt dar.

Zum generellen Hintergrund:
Verschiedene Expertisen namhafter Organisationen (z.B. McKinsey „Zukunftspfad Stromversorgung“; Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit dem IW und dem BDI „Energiewende auf Kurs bringen“) sehen die Wirtschaftlichkeit der Energiewende gefährdet und errechnen Einsparmöglichkeiten im mittleren bis höheren dreistelligen Milliardenbereich unter Einhaltung der angestrebten Klimaziele. Auch die Vorstandsvorsitzenden von E.ON Leonhard Birnbaum und RWE Markus Krebber sehen riesige Einsparmöglichkeiten in dieser Größenordnung (FASZ, 16.03.25; WR, 01.04.25). Möglich seien diese dadurch, dass Ausbauziele regelmäßig an die Bedarfsentwicklung angepasst werden und nicht gesetzlich verankert sind. Wissenschaftler der Unis Paderborn und Aachen und des DIW halten ein massives Umdenken für notwendig. Die bisherigen Netzausbaupläne und Szenarien schließen demnach neue technologische Entwicklungen nicht ausreichend ein, wie z.B. die Weiterentwicklung der Speichertechnik oder die mögliche intelligente Steuerung des Stromverbrauchs der privaten Haushalte. Diese dezentralen Technologien sind kostengünstiger und flächenschonender. Einsparungen, die insbesondere in der gegenwärtigen finanzpolitischen Lage hilfreich und sinnvoll wären, unter Beibehaltung der energiepolitischen Ziele.

Konkret sehen wir vor Ort in Linderhausen nicht, inwiefern hier Möglichkeiten zur Netzoptimierung oder kostengünstige dezentrale erneuerbare Lösungen berücksichtigt werden.

Im Netzentwicklungsplan (NEP, Bedarfsermittlung 2021 - 2035) wird eine alternative Trassenführung über Hattingen, Eiberg und Opladen beschrieben. Dabei würde es sich um einen Parallelneubau (siehe NABEG § 3.5) handeln, welcher bei einem Austausch in Schwelm vom Projektleiter als umsetzbar erklärt wurde. Mit dieser Alternative würde auch die Umspannanlage in Schwelm-Linderhausen hinfällig, deren Bau sich in verschiedener Hinsicht nachteilig auswirken würde:
1. Es entstehen sehr hohe Kosten aufgrund der geologischen Beschaffenheit.
2. Aufgrund des unsicheren Untergrunds ist mit hohen Folgekosten zu rechnen.
3. Die Linderhauser Talmulde ist die erdfallreichste Region NRWs (geologisches Gutachten S. Voigt) aufgrund der geologischen Besonderheiten.
4. Umspannanlage und ca. doppelt so hohe Masten wie bisher sollen im einzig noch nicht bebauten devonischen Massenkalkstreifen zwischen Mettmann und Hagen gebaut werden, in welchem sich drei Naturdenkmäler befinden und weitere vermutet werden. Laut Höhlenforscher Stefan Voigt gibt es sogar Anzeichen für Höhlen im vorgesehenen Gebiet.
5. Hinzukommt, dass der Bau der Umspannanlage durch die dafür notwendige Infrastruktur weitere Eingriffe in die Natur darstellen wird; jeder Transformator wiegt einige hundert Tonnen. Auf der Zuwegung über die Landstraße L891 muss die geologische Situation berücksichtigt werden. Auf dieser Straße wird mit Verkehrsschildern vor Bergschäden gewarnt, auch hier hat es bis in die jüngste Vergangenheit Erdfälle gegeben. Die Straße ist zudem eher schmal und von Alleebäumen gesäumt. Die geologischen Besonderheiten und das Landschaftsbild könnten zerstört werden. Andernorts, z.B. in Pulverdingen musste nur für den Transformatortransport eine eigene Straße gebaut werden.
6. Das Projekt verkleinert die Wirtschaftsfläche für die Landwirtschaft und die Grünfläche.

Darüber hinaus sehen wir folgende Nachteile für die Stadt Schwelm und in Linderhausen:
7. Das Projekt schränkt die Wirtschaftsfläche und die Gestaltungsmöglichkeiten gerade der flächenkleinsten Stadt in NRW im Umfeld der Höchstspannungsleitung ein.
8. Die Höchstspannungsleitung führt über dicht besiedelte Wohngebiete, gesundheitliche Auswirkungen werden befürchtet und teilweise enorme Wertverluste von Immobilien sind sicher.
9. Ein direkter Nutzen für Schwelm ist bisher nicht erkennbar. Im Gegenteil ist dieses Netzausbauprojekt für Schwelm als überdimensioniert einzustufen, mit überwiegend überregionalem Nutzen und dauerhaften Belastungen vor Ort.

Zusammengefasst bedeutet das für uns:
Die Umspannanlage in Linderhausen könnte entfallen, da eine Alternative als Parallelneubau möglich wäre. So würde der besonderen geologischen Situation flächenschonend Rechnung getragen und Kosten für aufwändige, begleitende Infrastrukturarbeiten gespart. Schwelm als flächenkleinste Stadt in NRW würde ihren Gestaltungsspielraum behalten und die Menschen ihre Lebensqualität.

In der Planung für unsere Region bleibt offen, inwieweit für das Projekt P 403 ein Zuwachs von alternativen neuen, insbesondere dezentralen Technologien, wie von Experten gefordert, berücksichtigt wurde. Sowohl örtliche als auch technologische Alternativen sind nicht ausreichend beschrieben.

Allgemein ist es kritisch zu betrachten, dass die Szenarien von den Übertragungsnetzbetreibern selbst entwickelt werden.

Bürgerverein Linderhausen e.V.