Prozessphasen

Auf dem Weg zum Netz der Zukunft

Erfahren Sie mehr zur Verantwortung der vier ÜNB beim Um- und Ausbau des Höchstspannungsnetzes.

Die sichere Verfügbarkeit von Strom im Alltag ist für uns selbstverständlich. Diese wird durch eine komplexe Energieinfrastruktur ermöglicht, in der das Stromnetz und insbesondere die Übertragungsnetze eine zentrale Rolle spielen.

Der schnelle Ausstieg aus der Atomkraft stellt große Herausforderungen an die Übertragungsnetze. Damit hohe Netzstabilität und Versorgungssicherheit auch zukünftig gewährleistet bleiben, sind umfassende Modernisierungs-, Um- und Ausbaumaßnahmen notwendig. Auf der Höchstspannungsebene sind in Deutschland die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW dafür zuständig, Systemstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Der notwendige Ausbau des Höchstspannungsnetzes findet in einem gesetzlich festgelegten Rahmen statt und folgt einem bestimmten Verfahren. Dieses stellt die Einbindung der Öffentlichkeit sicher und gewährleistet, dass den energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich stetig verändern, bei der Planung Rechnung getragen wird.

Gesetze rund um den Netzausbau

Die für den Betrieb und den Ausbau der Übertragungsnetze geltenden Gesetze finden Sie auf einen Blick in unserer Mediathek.

Das aktuelle Energiewirtschaftsgesetz (§ 12b I 2 EnWG) verlangt von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern, Netzentwicklungspläne auszuarbeiten. Dieser wurde im Jahr 2012 erstmals der Bundesnetzagentur (BNetzA) als zuständiger Regulierungsbehörde vorgelegt. Der Netzentwicklungsplan zeigt auf, welche Maßnahmen zur bedarfsgerechten Optimierung, zur Verstärkung und zum Ausbau des deutschen Höchstspannungsstromnetzes an Land (onshore) für einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb erforderlich sind.

Seit 2013 ist zudem ein Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP) zur Energiegewinnung auf dem Meer zu erstellen. Dieser beschreibt alle notwendigen Maßnahmen für einen effizienten, zuverlässigen und sicheren Anschluss von Offshore-Anlagen und enthält einen Zeitplan für die Umsetzung. Es ist vorgegeben, dass die Netzentwicklungspläne den jeweils aktuellen technologischen und politischen Entwicklungen wie auch den gesellschaftlichen Ansprüchen Rechnung tragen müssen.

Die Netzentwicklungspläne und ihre Basis, der Szenariorahmen, werden alle zwei Jahre – bis 2015 einmal jährlich – von den vier ÜNB erstellt. Die Erarbeitung der Netzentwicklungspläne ist ein komplexer Prozess, an denen jeweils unterschiedliche Akteure und Verantwortliche beteiligt sind.

Maßgebliche Beteiligte sind die Bundesnetzagentur (BNetzA), das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWI) und die Plattform „Zukunftsfähige Energienetze“ (BMWI). Darüber hinaus sind das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), die Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER), der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) und die Öffentlichkeit involviert. Bei der Planung werden ihre unterschiedlichen Perspektiven über den Weg, den Umfang des Netzausbaus und den Einsatz von Übertragungstechnologien erörtert und zusammengeführt.

Durch den sich regelmäßig wiederholenden Prozess können die sich verändernden Rahmenbedingungen in die Netzplanung einfließen. Die Grafik verdeutlicht die einzelnen Prozessschritte.

Der Szenariorahmen: voraussichtliche Entwicklungen im Energiebereich

Im  Szenariorahmen werden die voraussichtlichen Entwicklungen in den Bereichen erneuerbare Energien, konventionelle Energie sowie Energieverbrauch in Last in Deutschland beschrieben. Der von den vier ÜNB erstellte Entwurf des Szenariorahmens wird von der Bundesnetzagentur (BNetzA) veröffentlicht, um Öffentlichkeit und nachgelagerten Netzbetreibern im Rahmen der Konsultation Gelegenheit zur Äußerung zu geben. Die Ergebnisse der Konsultation zum Szenariorahmen werden geprüft und ggf. in den Entwurf eingearbeitet, bevor die BNetzA diesen genehmigt.

Mehr zum Szenariorahmen erfahren Sie unter:

Vom Szenariorahmen zum bestätigten Bedarf

Der genehmigte Szenariorahmen dient nun als Grundlage für die Erarbeitung der ersten Entwürfe der Netzentwicklungspläne durch die ÜNB. Um den komplexen Anforderungen an die NEP gerecht zu werden, haben die ÜNB verschiedene Arbeitsgruppen gegründet. Jede Gruppe setzt sich aus Vertretern der vier ÜNB zusammen. Die ersten Entwürfe der Netzentwicklungspläne werden an die BNetzA zur Prüfung übergeben und der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese hat nun in einem Konsultationsverfahren die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Unter Berücksichtigung dieser Stellungnahmen überarbeiten die ÜNB die ersten beiden Entwürfe und übergeben die zweiten Entwürfe an die BNetzA.

Die BNetzA prüft zunächst gleichzeitig mit der öffentlichen Beteiligung in einem weiteren Konsultationsverfahren die zweiten NEP- und O-NEP-Entwürfe. Die BNetzA kann von den Übertragungsnetzbetreibern Änderungen verlangen. Zeitgleich erstellt die BNetzA einen Umweltverträglichkeitsbericht.

In einem letzten Konsultationsverfahren kann sich die Öffentlichkeit zum finalen Entwurf des NEP und des Umweltverträglichkeitsberichts äußern. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse dieser Konsultation bestätigt die BNetzA die Netzentwicklungspläne der ÜNB. Damit werden die Maßnahmen mit der höchsten technischen und zeitlichen Dringlichkeit bestätigt. Außerdem kennzeichnet die BNetzA die bundesländerübergreifenden und grenzüberschreitenden Höchstspannungsleitungen.

Mehr zu den Netzentwicklungsplänen erfahren Sie unter:

Gesetzgebung: vom Netzentwicklungsplan zum Bundesbedarfsplan

Mindestens alle vier Jahre übergibt die Regulierungsbehörde einen bestätigten Netzentwicklungsplan und einen Umweltbericht an die Bundesregierung. Auf Grundlage dieser beiden Ausarbeitungen erstellt das Bundeswirtschaftsministerium einen Gesetzesentwurf für den Bundesbedarfsplan.  Nachdem dieser Entwurf im Bundeskabinett verabschiedet wurde, beginnt das parlamentarische Verfahren zur Gesetzgebung.

Der Bundesbedarfsplan: verbindliche Festlegung des Netzausbaubedarfs

Im Bundesbedarfsplan ist der Ausbaubedarf im Höchstspannungsnetz festgelegt. Mit Erlass des Gesetzes sind die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf der betreffenden Maßnahmen verbindlich festgestellt. Auf dieser Basis können nun die konkreten Planungsverfahren – das heißt die Bundesfachplanung/Raumordnung und Planfeststellung – begonnen werden.

Zu konkreten Leitungsbauprojekten finden Sie Informationen auf den Webseiten der vier ÜNB und der BNetzA.