| Michael Müller | NEP

Stellungnahme zur Maßnahme M603
Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045 (Version 2025, 1. Entwurf)

Ich lehne die Maßnahme M603 entschieden ab, soweit sie einen Trassenum- oder Neubau von Höchstspannungsleitungen im Stadtgebiet Schwelm vorsieht oder faktisch zur zusätzlichen Belastung des dicht besiedelten Siedlungsraums führt.

Die Maßnahme stellt aus meiner Sicht ein unverhältnismäßiges Infrastruktur-Großprojekt dar, das in einem urban geprägten Raum wie Schwelm weder planerisch noch gesellschaftlich zu rechtfertigen ist.

1. Unverhältnismäßigkeit der Maßnahme im Stadtgebiet Schwelm

Schwelm ist durch eine hohe Bevölkerungsdichte, gewachsene Wohnquartiere, soziale Infrastruktur sowie begrenzte Freiflächen gekennzeichnet. Die Umsetzung der Maßnahme M603 würde zwangsläufig:

- erhebliche zusätzliche Belastungen für Anwohner verursachen,

- dauerhaft Wohn-, Erholungs- und Nahversorgungsräume eingreifen,

- bestehende städtebauliche Strukturen und Entwicklungspotenziale beeinträchtigen,

- zu einer spürbaren Minderung der Wohn- und Lebensqualität führen.

Ein Netzausbau dieser Dimension ist in einem solchen Umfeld nicht verhältnismäßig, insbesondere dann nicht, wenn der Hauptnutzen der Maßnahme überregionaler Natur ist.

2. Gesundheitsvorsorge und Immissionsschutz

Auch bei formaler Einhaltung geltender Grenzwerte führt die Maßnahme M603 zu einer dauerhaften zusätzlichen Belastung durch elektrische und magnetische Felder in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung. Der Netzentwicklungsplan darf sich hier nicht ausschließlich auf Grenzwerte stützen, sondern muss das Vorsorgeprinzip konsequent anwenden.

In dicht besiedelten Räumen mit Schulen, Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen und hoher Aufenthaltsdauer ist jede zusätzliche Belastung besonders kritisch zu bewerten und nach Möglichkeit zu vermeiden.

3. Unzureichende Anwendung des NOVA-Prinzips

Nach § 3 NABEG ist das NOVA-Prinzip (Netzoptimierung vor Netzverstärkung vor Netzausbau) verbindlich anzuwenden. Im Fall der Maßnahme M603 ist nicht nachvollziehbar dargelegt, dass:

- sämtliche Optimierungsmaßnahmen im bestehenden Netz vollständig ausgeschöpft wurden,

- moderne technische Optionen wie Hochtemperaturleiterseile, Laserkusssteuerung, witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb oder kurative Systemführung standortscharf geprüft wurden,

- alternative Netzverknüpfungspunkte außerhalb des Stadtgebiets Schwelm konsequent priorisiert wurden.

Ein Trassenum- oder Neubau im Stadtgebiet darf nur das letzte Mittel sein. Diese Voraussetzung ist für M603 nicht ausreichend belegt.

4. Fehlende Prüfung von Alternativen außerhalb des Siedlungsraums

Es ist planerisch geboten, Netzmaßnahmen so zu führen, dass dicht besiedelte Wohngebiete möglichst vollständig verschont bleiben. Für M603 ist aus meiner Sicht nicht ausreichend untersucht worden, ob:

- alternative Trassenführungen außerhalb geschlossener Ortschaften möglich sind,

- eine stärkere Bündelung mit bestehender linearer Infrastruktur außerhalb des Stadtgebiets realisierbar ist,

- zusätzliche oder geänderte Netzverknüpfungspunkte außerhalb Schwelms die gleiche netztechnische Wirkung erzielen könnten.

Eine Maßnahme, die erhebliche städtische Belastungen erzeugt, obwohl Alternativen außerhalb des Stadtgebiets denkbar sind, ist nicht akzeptabel.

5. Akzeptanzproblem und soziale Auswirkungen

Großprojekte wie M603 erzeugen im urbanen Raum erhebliche Akzeptanzprobleme. Die Energiewende und der notwendige Netzausbau verlieren an gesellschaftlicher Unterstützung, wenn einzelne Städte überproportional belastet werden, während der Nutzen überwiegend andernorts anfällt. Die Maßnahme M603 birgt ein erhebliches Konfliktpotenzial und ist geeignet, das Vertrauen in die Netzplanung nachhaltig zu beschädigen.

6. Forderung

Ich fordere daher ausdrücklich:

- die Streichung der Maßnahme M603, soweit sie einen Trassenum- oder Neubau im Stadtgebiet Schwelm vorsieht,

- eine erneute, transparente und ergebnisoffene Prüfung von Alternativen mit klarer Priorisierung von Lösungen außerhalb dicht besiedelter Räume,

- die konsequente Anwendung des NOVA-Prinzips unter besonderer Berücksichtigung urbaner Schutzbedürfnisse,

- eine Netzentwicklungsplanung, die Belastungen fair verteilt und Wohnstädte wie Schwelm nicht überproportional in Anspruch nimmt.

Schwelm darf nicht Standort eines überdimensionierten Netzausbauprojekts werden, dessen Nutzen überwiegend überregional ist, während die dauerhaften Belastungen vor Ort verbleiben.

Veröffentlichte Mitzeichnungen

  • Energievernunft Schwelm e.V.
  • Energievernunft Schwelm e.V.
  • Lars G.