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Stellungnahme des Kunststoffrohrverbandes (KRV) e. V.
zum ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 (2025)

Der Kunststoffrohrverband (KRV) e. V. vertritt seit 1957 die deutsche Kunststoffrohrindustrie.
Die Mitgliedsunternehmen sind zentrale Zulieferer für Energie-, Wasser- und Infrastrukturprojekte und vielfach Technologieführer. Kunststoffrohrsysteme sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Energieinfrastruktur, insbesondere für die Erdverkabelung von Hoch- und
Höchstspannungsnetzen sowie für den Schutz kritischer Infrastrukturen. Der KRV bewertet den
NEP daher aus einer system- und infrastrukturrelevanten Perspektive.

Grundsätzliche Bewertung des NEP
Der Netzentwicklungsplan ist ein zentrales Steuerungsinstrument der Energiewende. Voraussetzung für seinen Erfolg ist ein ambitionierter, langfristig verlässlicher Netzausbau. Der vorliegende Entwurf sendet jedoch an mehreren Stellen problematische Signale. Die Zurückstellung
zentraler Projekte wie NordWestLink (DC41) und OstWestLink (DC40) ist aus Sicht des KRV
ein klarer Fehler. Diese Vorhaben sind systemrelevant für die Entlastung bestehender Engpässe
und die Integration erneuerbarer Energien. Ihre Verschiebung verlängert hohe Redispatch-Kosten und erhöht das Risiko regionaler Netzüberlastungen.
Der Strombedarf wird langfristig deutlich steigen: durch Elektrifizierung, Wasserstoffhochlauf
und Digitalisierung. Kurzfristige Unsicherheiten dürfen nicht zu einer strukturellen Unterdimensionierung der Netze führen. Verzögerter Ausbau erzwingt spätere, deutlich teurere Nachsteuerungen und gefährdet Versorgungssicherheit und Klimaziele.

Erdkabelvorrang bei HGÜ: Akzeptanz und Tempo
Der gesetzlich verankerte Erdkabelvorrang bei HGÜ-Projekten ist ein zentraler Erfolgsfaktor für
Akzeptanz, Planungssicherheit und Umsetzungsgeschwindigkeit. Der im NEP erkennbare Ansatz, diesen Vorrang zu relativieren, widerspricht den eigenen Zielsetzungen des Plans.
Der NEP stellt selbst fest, dass gesellschaftliche Akzeptanz Voraussetzung für erfolgreichen
Netzausbau ist. Diese Akzeptanz ist bei Gleichstrom-Erdkabeln nachweislich hoch und wirkt
unmittelbar auf Genehmigungsdauer und Klagerisiken. Das Projekt A-Nord zeigt den volkswirtschaftlichen Nutzen: Ab Inbetriebnahme werden jährlich rund 700 Mio. Euro Redispatch-Kosten eingespart.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, den SuedWestLink (DC42/DC42+) als
Freileitung zu planen. Gerade bei einem derart zentralen HGÜ-Korridor muss der Erdkabelvorrang uneingeschränkt gelten. Eine Abweichung würde Suchräume infrage stellen, neue Konflikte erzeugen und zu erheblichen Verzögerungen und Mehrkosten führen. Akzeptanz ist der entcheidende Hebel für Tempo.

Kostenbewertung: Systemkosten statt Kilometerpreise
Die Reduktion der Debatte auf vermeintliche Investitionskostenvorteile von Freileitungen greift zu kurz. Maßgeblich ist die gesamtwirtschaftliche Wirkung über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts. Unzureichend berücksichtigt werden:
• dauerhaft hohe Redispatch-Kosten bei verzögertem Ausbau,
• Kosten durch Klagen, Umplanungen und Genehmigungsrisiken,
• Zusatzkosten hybrider Lösungen.
Allein Übergabestationen zwischen Erd- und Freileitung verursachen bis zu 70 Mio. Euro pro Standort ohne netztechnischen Mehrwert. Volkswirtschaftlich effizient ist die Lösung, die Engpässe schnell und konfliktarm beseitigt.

Resilienz, Sicherheit und Raumverträglichkeit
HGÜ-Freileitungen erfordern größere Schutzabstände und erhöhen das Konfliktpotenzial, insbesondere in dicht besiedelten Räumen. Erdkabel in Kunststoffrohrsystemen sind dagegen:
• weniger exponiert gegenüber Extremwetter und Sabotage,
• besser in bestehende Infrastrukturen integrierbar,
• digital überwachbar.
Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Resilienz und Sicherheit kritischer Energieinfrastruktur. Deren Schutz ist heute wichtiger denn je.

Planungssicherheit für Industrie und Investitionen
Der Erdkabelvorrang hat substanzielle Investitionen ausgelöst (beispielsweise mehr als 30 Mio.
Euro der Kunststoffrohrindustrie in Deutschland). Diese Investitionen beruhen auf klaren politischen Leitplanken. Jede Infragestellung des Erdkabelvorrangs oder Umplanung laufender Projekte untergräbt Planungssicherheit und Vertrauen in die Infrastrukturpolitik.

Forderungen des KRV
Der KRV fordert:
1. Konsequente Beibehaltung des Erdkabelvorrangs bei HGÜ, insbesondere beim SuedWestLink (DC42/DC42+).
2. Keine Zurückstellung systemrelevanter Projekte wie DC40 und DC41.
3. Kein Absenken des Netzausbauambitionsniveaus aufgrund kurzfristiger Bedarfsannahmen.
4. Vollständige Systemkostenbetrachtung inklusive Redispatch- und Verzögerungskosten.
5. Verlässliche Ausbaupfade, um industrielle Wertschöpfung zu sichern.
Erdkabel sind die Voraussetzung für eine sichere, schnelle und akzeptierte Energiewende. Ein
Netzentwicklungsplan, der Akzeptanz riskiert und zentrale Projekte verzögert, gefährdet Tempo,
Wirtschaftlichkeit und Vertrauen.

Veröffentlichte Mitzeichnungen

  • Harald C.