Szenariorahmen

Der Szenariorahmen: Grundlage für die Netzentwicklungspläne

Vor der Erstellung jedes Netzentwicklungsplans wird der Szenariorahmen erarbeitet. Diesen erarbeiten die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) nach § 12a EnWG alle zwei Jahre gemeinsam. Er beschreibt die Randbedingungen künftiger Netznutzungssituationen. Damit ist der von der Bundesnetzagentur genehmigte Szenariorahmen die Grundlage für die Erarbeitung des jeweiligen Netzentwicklungsplans und des Offshore-Netzentwicklungsplans.

Nach § 12a EnWG umfasst der Szenariorahmen mindestens drei Entwicklungspfade (Szenarien), „die für die mindestens nächsten zehn und höchstens 15 Jahre die Bandbreite wahrscheinlicher Entwicklungen im Rahmen der mittel- und langfristigen energiepolitischen Ziele der Bundesregierung abdecken. Eines der Szenarien muss die wahrscheinliche Entwicklung für die mindestens nächsten 15 und höchstens zwanzig Jahre darstellen“ (§ 12a Satz 1 EnWG).

Konkret bedeutet das: Die dargestellten Szenarien gehen von jeweils unterschiedlichen Voraussetzungen für die zukünftige Energieinfrastruktur aus. Sie zeigen mögliche Entwicklungspfade im Einklang mit den energiepolitischen Rahmenbedingungen auf, insbesondere im Energiemix und im Verbrauch. Denn: Die Unsicherheiten hinsichtlich zukünftiger energiewirtschaftlicher Entwicklungen erfordern die Betrachtung mehrerer Szenarien. Die Szenarien stellen keine in sich geschlossenen Lösungsvarianten dar, sondern definieren „Leitplanken“, die in gemeinsamer Betrachtung zu robusten Ergebnissen für den notwendigen Netzausbau in Deutschland führen.

Im Ergebnis entsteht der Szenariorahmen als ein Dokument, in dem die voraussichtlichen Entwicklungen in den Bereichen erneuerbare Energien, konventionelle Energie sowie Energieverbrauch und Last in Deutschland beschrieben werden.

Nach öffentlicher Beteiligung wird der Szenariorahmen durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) geprüft und bestätigt. Damit bildet er die Grundlage, mit der die ÜNB bei der Netzplanung arbeiten müssen.

Die von den ÜNB vorgeschlagenen Szenarien basieren auf einer breiten Daten- und Informationsgrundlage, z. B. ausgewählte Studien unabhängiger Forschungsinstitutionen sowie des Verbandes europäischer ÜNB (ENTSO-E) zur Entwicklung der deutschen und europäischen Energielandschaft.

Energielandschaft: Blick in die Zukunft mit vielen Variablen

Zum Hintergrund

Historisch bedingt ist das deutsche Stromnetz bis heute auf eine thermische, weitgehend fossile Stromerzeugung ausgelegt. Bereits durch den Umbau der Elektrizitätswirtschaft mit einem stark zunehmenden Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen – speziell Windenergie und Photovoltaik – sind die Anforderungen an die Energienetze gestiegen. Durch die von der Regierung beschlossenen Vorhaben zur Energiewende werden diese in den nächsten Jahren weiter stark zunehmen.

Viele Variablen bestimmen, wie die deutsche Energielandschaft zukünftig gestaltet wird. Diese haben direkt oder indirekt Auswirkungen auf den Ausbaubedarf des Stromnetzes. Durch die von der Regierung beschlossenen Vorhaben zur Energiewende wird dieser in den nächsten Jahren weiter stark zunehmen.

Bei der Betrachtung der Variablen wird deutlich, dass die Veränderungen der deutschen Energielandschaft für die nächsten Jahre schwer vorhersehbar sind.

Zu den bedeutendsten Variablen gehören beispielsweise der Stromverbrauch und die Stromproduktion: Diese hängen stark vom Wirtschaftswachstum, aber auch von der Marktentwicklung spezieller Technologien, z. B. der Elektromobilität, ab.

Eine große Rolle spielen die Möglichkeiten der verlustarmen Energiespeicherung, zum Beispiel mit Wasserstoff, Methan oder traditionellen Pumpspeicherwerken. Je besser die von Wind und Sonne abhängigen und starken Schwankungen unterlegenen erneuerbaren Energien (zwischen-) gespeichert werden können, desto gleichmäßiger kann das Stromnetz ausgelastet werden.

Eine weitere Variable für die Veränderungen der Energielandschaft ist der Grad der Erfüllung von Energieeffizienzzielen, die von der Regierung gesetzt wurden. Der zukünftige Bedarf an Strom hängt maßgeblich davon ab, inwieweit Deutschland diese Ziele erreicht. Zum Beispiel durch energieeffiziente Fabriken oder gut gedämmte Häuser und sparsame Heizungen in Privathaushalten.

Steigen die Kosten für CO₂-Zertifikate an, wird der Anreiz für Investitionen in erneuerbare Energien größer und es wird für Unternehmen attraktiver, mehr in Energieeffizienztechnologien zu investieren.   

Schließlich ist der Verlauf des Austauschs und des grenzübergreifenden Handels mit Energie in Europa bestimmend für die Entwicklung der deutschen Energielandschaft. Seit Jahrzehnten üblich, werden diese Transaktionen in Zukunft noch zahlreicher werden. Deshalb werden auch die erwarteten Übertragungskapazitäten zwischen Deutschland und den Nachbarländern berücksichtigt.

Um möglichst genaue Voraussagen zur Entwicklung der Energiestruktur treffen zu können, ist es wichtig, die Variablen in Marktmodellen und bei der Simulation unterschiedlicher Energieszenarien einzubeziehen und im Netzentwicklungsplan abzubilden.

Szenariorahmen 2030

Den aktuellen Szenariorahmen, in dem getroffene Annahmen für die Entwicklung der Energieinfrastruktur abgebildet sind, finden Sie unter: