| Industrie- und Handelskammer Südthüringen | NEP

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf Grundlage des am 10. Dezember 2025 vorgelegten ersten Entwurfs des Netzentwicklungsplans 2037/2045 Version 2025 nehmen wir wie folgt Stellung:

Der Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze ist unter Berücksichtigung der Aspekte Kosten, nachhaltige Nutzung sowie Natur-, Umwelt- und Tourismusverträglichkeit zu entscheiden. Dabei ist auch der forcierte Ausbau der dezentralen Energieversorgung bei der Netzplanung zwingend zu berücksichtigen. Die verstärkte Berücksichtigung von Spannungshaltung und Frequenzstabilisierung wird befürwortet. Des Weiteren ist aus unserer Sicht die Umsetzung notwendiger HGÜ-Trassen als Freileitung, statt in Erdverkabelung aus Kostengründen zu befürworten.

Bezüglich des Übertragungsnetzausbaus wird ein unausgewogener Ausbaus von Hochspannungstrassen durch Südthüringen abgelehnt. Insbesondere wird ein Trassenverlauf der neu aufgenommenen Trasse P540 - Maßnahme M1001 durch Südthüringen abgelehnt. Auch eine mögliche Querung Südthüringens durch die Trasse DC42 (HGÜ-Verbindung von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg) wird abgelehnt.

Begründung:

Der weitere Ausbaubedarf der Stromnetzinfrastruktur zur Umsetzung der Energiewende wird grundsätzlich anerkannt. Es ist jedoch festzustellen, dass in den vergangenen Jahren die dezentrale Eigenstromversorgung insgesamt stärker in den Fokus von Unternehmen gerückt ist. Eine dezentrale Energieversorgung reduziert prinzipiell den Netzausbaubedarf, sodass die aktuellen Entwicklungen bei der Fortschreibung der Netzentwicklungspläne berücksichtigt werden müssen.

Dazu zählt auch die stockende Verkehrs- und Wärmewende. Die Anzahl der E-Autos sowie der Wärmepumpen hinkt den Ausbauzielen hinterher, so dass der Netzausbaubedarf eher geringer ausfällt als noch vor Kurzem angenommen. Auf der anderen Seite schreiten der Ausbau der erneuerbaren Energien, aber auch der Bau von Großbatteriespeichern oder Rechenzentren voran - Entwicklungen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. In der Industrie wurden in jüngster Zeit aufgrund hoher Strompreise teilweise Elektrifizierungsprojekte verschoben oder aufgegeben, was in Summe ebenfalls den Netzausbaubedarf beeinflusst. Es ist daher die Frage zu stellen, ob die geplanten HGÜ-Trassen langfristig die kostengünstigste und nachhaltigste Alternative gegenüber dezentralen Versorgungsvarianten darstellen.

Sofern sich der Ausbau des Übertragungsnetzes als zwingend erforderlich erweist, ist jedoch mit Blick auf die Trasse P540 – Maßnahme 1001 festzustellen, dass durch die IHK Südthüringen ein Verlauf durch das Heldburger Unterland, insbesondere mit Verweis auf die herausragende Bedeutung der Veste Heldburg als Kulturdenkmal abgelehnt wird.

Auch die erstmals im NEP 2037/2045 (2023) erwähnte HGÜ-Leitungen DC42 führt bei einem geradlinigen Verlauf nicht durch Südthüringen, weshalb einer möglichen Ausweitung des Suchkorridors nach Thüringen bereits an dieser Stelle widersprochen wird.

Bezüglich des Verteilnetzes zeigt sich vielerorts in Südthüringen, dass diese dringend ausgebaut werden müssen, um die Erneuerbaren Energien aufnehmen zu können. Uns ist bewusst, dass zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit ein engmaschiges Stromnetz auf verschiedenen Ebenen - angefangen vom Höchstspannungsnetz bis zum Verteilnetz notwendig ist. Allerdings muss aus unserer Sicht der Ausbau der Verteilnetze in den besonderen Fokus der Aufmerksamkeit gestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Ralf Pieterwas
Hauptgeschäftsführer