Netzentwicklungsplan

Der Netz­ent­wick­lungs­pla­n – Fahr­pla­n für die Zu­kunft

Im Zuge des beschlossenen Ausstiegs aus der Kernenergie verlangt das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) seit 2012 einen von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) gemeinsam ausgearbeiteten Netzentwicklungsplan (NEP). Dieser „muss alle wirksamen Maßnahmen zur bedarfsgerechten Optimierung, Verstärkung und zum Ausbau der Netze enthalten, die spätestens zum Ende des [im Szenariorahmen festgelegten] Betrachtungszeitraums […] für einen sicheren und zuverlässigen Netzbetrieb erforderlich sind“ (§ 12b I 2 EnWG). Zudem war von 2013 bis 2017 ein separater Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP) zur Energiegewinnung auf dem Meer vorgeschrieben. Der O-NEP 2030 (2017) war der letzte zu erstellende O-NEP. Seine Bestandteile werden zukünftig im NEP und im Flächenentwicklungsplan (FEP) des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie fortgeführt. Der Netzentwicklungsplan ist alle zwei Jahre von den Übertragungsnetzbetreibern zu erstellen.

ÜNB: Experten für Energieinfrastruktur

Der Netzentwicklungsplan muss folglich den sich verändernden energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Die Übertragungsnetzbetreiber als Experten für die Energieinfrastruktur geben im Netzentwicklungsplan konkrete Empfehlungen für den Aus- und Neubau der Übertragungsnetze an Land und zur Anbindung von Offshore Windparks in Deutschland. Die ÜNB erarbeiten den Netzentwicklungsplan jedoch nicht alleine, sondern es sind zahlreiche Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen an diesem Prozess beteiligt.

Szenariorahmen: Basis für die Netzentwicklungspläne

Grundlage zur Erstellung des Netzentwicklungsplans ist der Szenariorahmen, den die Übertragungsnetzbetreiber ebenfalls alle zwei Jahre gemeinsam erarbeiten. Der Szenariorahmen zeigt mögliche Entwicklungspfade für die Energieinfrastruktur im Einklang mit den energiepolitischen Entwicklungen auf. Dabei wird von unterschiedlichen Stromproduktions- und Netznutzungssituationen ausgegangen. Mehr zum Szenariorahmen erfahren Sie hier.

Ausgehend vom genehmigten Szenariorahmen folgt die Erstellung des NEP, die sich in mehrere Arbeitsschritte gliedert.

Der Weg zum NEP: von der Marktsimulation bis zur Maßnahmenplanung

Die im Szenariorahmen festgelegten Randbedingungen für Netznutzungssituationen und die entsprechenden Eingangsdaten sind Grundlage für die Netzplanung. In einem festgelegten Prozess mit Regionalisierung, Marktsimulation und Netzanalyse werden der für die Zukunft erforderliche Übertragungsbedarf sowie die dafür notwendigen Um-, Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen definiert.

Die im genehmigten Szenariorahmen enthaltene Datengrundlage und die getroffenen Annahmen zu Randbedingungen künftiger Netznutzungssituationen werden als Eingangsgrößen für die nun folgende Marktsimulation angenommen. Für jedes im Szenariorahmen beschriebene Szenario wird eine Marktsimulation durchgeführt. Die Marktsimulation betrachtet unter Berücksichtigung des europäischen Auslands die Energietransite sowie das Erzeugungs- und Verbrauchsgeschehen in Deutschland.

Im Anschluss an die Marktsimulation folgt die Übertragung der gewonnenen Ergebnisse auf die Netzplanung. Die Übertragungsnetzbetreiber haben hierbei die Aufgabe, ein Stromnetz zu dimensionieren, das den zukünftigen Anforderungen entspricht. Bei diesem Prozess sind zahlreiche Daten zu analysieren, zu bewerten und mit unterschiedlichen Parametern in Bezug zu setzen.

Den letzten Schritt auf dem Weg zum ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans bildet eine Maßnahmenplanung, in der die Übertragungsnetzbetreiber Lösungsvorschläge für die Optimierung des Netzes und damit die Sicherung der Versorgung darstellen. Um dem Handlungsbedarf beim Aus- und Umbau des Stromnetzes umfassend gerecht zu werden, müssen die Übertragungsnetzbetreiber die einzelnen Maßnahmen im Netzentwicklungsplan detailliert angeben. Dazu gehören eine technische Beschreibung sowie die jeweilige Begründung einer vorgeschlagenen Maßnahme und deren zeitliche Einordung. 

Der vorliegende erste Entwurf wird zur Konsultation gestellt, d. h. die Öffentlichkeit wird in die Erstellung des Netzentwicklungsplans eingebunden und zur Abgabe von Stellungnahmen aufgerufen. Diese werden bei der Überarbeitung des Entwurfs für den Netzentwicklungsplan berücksichtigt.

Bei der Erarbeitung des NEP werden technische, wirtschaftliche und räumliche Rahmenbedingungen berücksichtigt.

Im Ergebnis beschreibt der NEP-Bericht keine konkreten Trassenverläufe. Der NEP dokumentiert den notwendigen Übertragungsbedarf zwischen Netzknoten bei Übertragungsleistungen. Das heißt, es werden Anfangs- und Endpunkte von zukünftigen Leitungsverbindungen definiert sowie konkrete Empfehlungen für den Aus- und Neubau der Übertragungsnetze an Land gemäß den Detailanforderungen in § 12 EnWG gegeben.

Von 2013 bis 2017 hat der O-NEP darüber hinaus Maßnahmen bestimmt, die geeignet sind, um die nach dem genehmigten Szenariorahmen erwartete installierte Erzeugungsleistung aus Offshore-Windenergie an das Übertragungsnetz an Land anzubinden. Diese Betrachtung erfolgt nach den Detailanforderungen in den §§ 12 und 17 des EnWG. Der O-NEP 2030 (2017) war der letzte zu erstellende O-NEP. Seine Bestandteile werden zukünftig im NEP und im Flächenentwicklungsplan (FEP) des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie fortgeführt.

Gesetzgeber: Entscheidung über Realisierung der geplanten Maßnahmen

Während die ÜNB in dem Netzentwicklungsplan den zukünftigen Bedarf für Aus-, Umbau und Modernisierung des Stromnetzes aufzeigen, entscheiden allein die verantwortlichen Regulierungsbehörden und der Gesetzgeber über zu realisierende Projekte. Die ÜNB setzen die politischen Entscheidungen um, die im demokratischen Verfahren entstanden sind. Politik, Wirtschaft und Bürger sind auf dem Weg zu einer klimafreundlichen und nachhaltigen Energieversorgung demzufolge gemeinsam gefordert. Nur wenn alle Beteiligten konstruktiv daran mitwirken, kann der Weg zur Energiewende, der entlang des Ausbaus der Stromnetze geschieht, zum Erfolg führen. Die Übertragungsnetzbetreiber werden ihren Beitrag verantwortungsvoll und nach bestem Wissen und Gewissen heute und in Zukunft wahrnehmen. Nähere Informationen zu den Aufgaben der Übertragungsnetzbetreiber finden Sie hier.

Bis eine im Netzentwicklungsplan definierte Maßnahme des Netzausbaus tatsächlich realisiert wird, werden verschiedene vorgeschriebene Planungs- und Genehmigungsverfahren durchlaufen, u. a. das Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren.

Raumordnung und Planfeststellung

Der für eine betreffende Maßnahme zuständige ÜNB erstellt Antragsunterlagen für die Bundesfachplanung oder das Raumordnungsverfahren, in denen er u. a. einen Korridorverlauf vorschlägt. Unter Beteiligung verschiedener Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit werden das Raumordnungsverfahren oder die Bundesfachplanung durchgeführt. Ziel ist es, eine verbindliche Entscheidung über den Verlauf eines Trassenkorridors zu finden. Dabei spielen neben dem konkreten Trassenverlauf weitere Planungen wie die möglichen Maststandorte oder Umweltfaktoren eine Rolle.

Die Zuständigkeiten der Behörden bei den weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren sind unterschiedlich: Die Bundesnetzagentur ist verantwortlich bei bundesländerübergreifenden sowie bei grenzüberschreitenden Vorhaben, während in den übrigen Fällen die jeweilige Landesbehörde dazu befugt ist.

Zu Netzausbaumaßnahmen, deren Planungsstadien fortgeschritten sind, finden Sie Informationen auf den Webseiten der Übertragungsnetzbetreiber und der BNetzA.