Projekte und Maßnahmen
im NEP

Was ist im Netzentwicklungsplan unter „Projekte und Maßnahmen“ beschrieben?

Im Netzentwicklungsplan Strom (NEP) werden alle Netzausbaumaßnahmen beschrieben, die die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) im deutschen Höchstspannungsnetz als notwendig identifiziert haben, um den zukünftigen Transportbedarf im Höchstspannungsnetz bewältigen zu können.

Szenarien - ein Blick in die Zukunft

Mithilfe verschiedener Szenarien werden mögliche zukünftige Entwicklungen betrachtet. Bei der Planung des Übertragungsnetzes ist es wichtig, zukünftige Erzeugungskapazitäten und Verbrauchssituationen zu beschreiben und so wahrscheinliche Entwicklungspfade im Zusammenhang energiepolitischer Entwicklungen zu betrachten.

Dieser Bedarf wird für einen festgelegten Zeitraum mit verschiedenen möglichen Entwicklungspfaden – Szenarien – betrachtet. Der Blick in die Zukunft zeigt: Das Übertragungsnetz muss den Anforderungen der zunehmenden Integration erneuerbarer Energien bei gleichbleibend hoher Systemsicherheit und -stabilität gerecht werden.

Die identifizierten Netzausbaumaßnahmen werden als Projekte im Netzentwicklungsplan abgebildet. Dabei kann ein Projekt nicht nur eine, sondern mehrere zusammengehörige Maßnahmen umfassen. Dies trägt zur besseren Strukturierung der Netzausbaumaßnahmen bei. Zu den Netzausbaumaßnahmen gehören nicht nur Leitungsmaßnahmen in AC- und DC-Technik, sondern auch Anlagenmaßnahmen wie Schaltanlagen, Transformatoren oder Anlagen zur Blindleistungskompensation.

Vom Bedarf zur Maßnahme

Die dargestellten Netzausbaumaßnahmen sind das Ergebnis komplexer Rechenprozesse, die aufeinander aufbauen und verschiedene Rahmenbedingungen sowie Eingangsparameter berücksichtigen. Den Weg vom Szenariorahmen bis zur ausgewiesenen Netzausbaumaßnahme finden Sie hier ausführlich erklärt.

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium bei Projekten ist deren Zuordnung zum Start- oder Zubaunetz. Das Startnetz enthält neben dem bestehenden Netz (Ist-Netz) auch in der Umsetzung befindliche Maßnahmen, die als verbindlich anzusehen sind. Ihre energiewirtschaftliche Notwendigkeit wurde zum Teil bereits von den zuständigen Genehmigungsbehörden oder vom Gesetzgeber (Energieleitungsausbaugesetz) bestätigt. Andere Maßnahmen leiten sich aus gesetzlichen Verpflichtungen ab oder ergeben sich aufgrund größerer Infrastrukturprojekte (Autobahn- und Flughafenausbau o. ä.).

Das Zubaunetz enthält darüber hinaus die Maßnahmen, die neben dem Startnetz ermittelt wurden, um ein bedarfsgerechtes und sicheres Netz ohne Engpässe zu erhalten. Hierbei sind die für einen Netzentwicklungsplan festgelegten Szenarien zum zukünftig erwarteten Übertragungsbedarf ausschlaggebend. Den Szenarien liegen zum Beispiel unterschiedliche Annahmen zur Entwicklung erneuerbarer Energien zugrunde. Die Übertragungsnetzbetreiber entwickeln deshalb für jedes dieser Szenarien ein spezifisches Maßnahmenset für die bedarfsgerechte Optimierung, Verstärkung oder den Ausbau der entsprechenden Stromleitung. Unter anderem deshalb werden im NEP auch Netzausbaumaßnahmen ausgewiesen, die nicht für alle Szenarien notwendig sind.

Projekte werden in Form von Steckbriefen im Anhang zum Netzentwicklungsplan dokumentiert. Eine ausführliche Einführung in die Steckbriefe sowie alle Projekte des aktuellen NEP finden Sie hier.

Wann wird eine im NEP identifizierte Leitung gebaut?

Zu Netzausbaumaßnahmen in fortgeschrittenen Planungsstadien finden Sie Informationen auf den Webseiten der vier ÜNB:

Bis eine im Netzentwicklungsplan identifizierte Netzausbaumaßnahme realisiert wird, nimmt sie ihren gesetzlich festgelegten Weg durch verschiedene Planungs- und Genehmigungsverfahren. Daher finden sich im NEP Maßnahmen, die in ihrer Realisierung unterschiedlich weit fortgeschritten sind. Zur besseren Orientierung wird im NEP in der Regel für jede einzelne Maßnahme der Stand der Umsetzung angegeben. Unterschieden wird dabei von „noch keine Aktivität“ bis hin zu „realisiert“.

Der angegebene Umsetzungsstand soll auch einen Hinweis darauf geben, welche gesetzlichen öffentlichen Beteiligungsmöglichkeiten es für jeden Einzelnen bei einer konkreten Netzausbaumaßnahme noch geben wird. Diese liegen dann in der Verantwortung der zuständigen Behörde und des zuständigen ÜNB. Mehr Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten finden Sie hier.

1: Vorbereitung Planungs- und Genehmigungsverfahren

Der für die Maßnahme oder das Vorhaben zuständige ÜNB erstellt die Antragsunterlagen für die Bundesfachplanung oder das Raumordnungsverfahren. Darin schlägt der ÜNB einen Korridorverlauf vor. Zudem muss er Alternativen zum vorgeschlagenen Vorzugskorridor aufzeigen und Erläuterungen zu erkennbaren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ergänzen. Die Auswahl des Korridors unterliegt technischen Erfordernissen sowie sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten.

2: im Raumordnungsverfahren/Bundesfachplanung

Der ÜNB hat den Antrag bei der zuständigen Behörde eingereicht. Ziel des Raumordnungsverfahrens oder der Bundesfachplanung ist es, unter Beteiligung verschiedener Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit eine verbindliche Entscheidung über den Verlauf eines bis zu einem Kilometer breiten Trassenkorridors zu finden. Innerhalb dieses Trassenkorridors werden dann vom zuständigen ÜNB der konkrete Trassenverlauf und die möglichen Maststandorte geplant sowie die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht.

3: vor oder im Planfeststellungsverfahren/Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)

Für das Planfeststellungsverfahren arbeitet der ÜNB einen weiteren Antrag aus. Dieser Antrag enthält detaillierte Pläne und Beschreibungen des Vorhabens, wie die eingesetzte Technik und den exakten Verlauf der Leitung einschließlich der konkreten Maststandorte oder Erdkabelabschnitte. Ebenfalls werden hier Umweltauswirkungen erläutert. Im Verfahren selbst kann sich jedermann beteiligen und sich zu den öffentlich ausgelegten Unterlagen zum Vorhaben äußern. Ziel ist es, mit einem klar definierten Prozess möglichst alle Interessen und Schutzgüter zu berücksichtigen und gegeneinander abzuwägen. Für den Bau eines Umspannwerks muss vom ÜNB eine Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz beantragt werden, sofern dieses nicht in ein Planfeststellungsverfahren aufgenommen wurde.

4: genehmigt oder in Bau

Eine Genehmigung für den Bau einer Leitung durch die zuständige Behörde erfolgt am Ende aller Planungs- und Genehmigungsverfahren durch den Planfeststellungsbeschluss. Dieser entspricht einer Baugenehmigung und legt genau fest, wie und wo die Leitung gebaut werden darf. Nach Durchlaufen aller Genehmigungs- und Planungsverfahren kann der ÜNB jetzt mit den konkreten Bauvorbereitungen beginnen.

5: realisiert

Das Vorhaben wurde vom ÜNB fertig gestellt und ist in Betrieb.